Unser kleiner Saiten-Ratgeber

Welches sind die richtigen oder besten Cellosaiten? Diese Frage wird oft gestellt, müsste aber lauten „Welches sind die richtigen oder besten Cellosaiten für mein Cello?“


Es gibt eine erschlagende Auswahl an Cellosaiten im Handel. Die grossen Marken übertrumpfen sich gegenseitig mit dem Versprechen, die besten Saiten herzustellen oder Saiten, die für jeden Zweck geeignet sind. Wie so oft gilt auch bei Cellosaiten: es gibt kein one fits all.


Ein paar Tipps geben wir aber gerne, denn wir haben sehr, sehr viele Saiten auf unterschiedlichen Instrumenten ausprobiert…


Zu allererst: Wie klingt mein Cello jetzt?


Zu beginn sollte man versuchen, den Klang seines Cellos mit den Saiten, die gegenwärtig aufgezogen sind, zu beschreiben. Klingt es zu hell, zu dunkel, dumpf vielleicht? Gibt es einzelne Saiten die „aus der Reihe tanzen“? Sind einzelne Saiten zu laut oder zu leise? Sind die Saiten vielleicht schon (zu) lange auf dem Instrument?


Zu dumpf und introvertiert? Zu laut und schrill?


Häufig ist zu hören, der Klang ist zu sehr nach innen gekehrt, die Projektion nicht so, wie man sie gerne hätte, das heisst, der Klang strahlt nicht weit oder lange genug oder die Ansprache entspricht nicht der Erwartung. In diesem Fall wäre unsere Frage: welcher Steg ist auf dem Cello? Bei „introvertiert“ klingenden Celli, die einen französischen Steg haben, würden wir empfehlen, als erstes einmal einen belgischen Steg anpassen zu lassen. Oft tut diese Veränderung Wunder. Der Klang wird durch belgische Stege in der Regel strahlender, klarer, aber auch generell lauter.

Französische Stege können also den Klang eines Cellos runder, wärmer, „erdiger“ und werden lassen. Ausserdem erleichtern sie die Ansprache.


Sollte das noch nicht genug sein oder die verstärkte Lautstärke als störend Empfunden werden (also der Wechsel zu einem belgischen Steg eher kontraproduktiv sein), wäre der nächste Versuch, es mit Saiten der Bezeichnung stark/strong zu versuchen. Saiten gibt es meist in weich/soft, medium/mittel oder stark/strong. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die Spannung der Saiten. Saiten mit höherer Spannung haben die Eigenschaft, den Ton klarer/heller/lauter werden zu lassen. Weiche/soft Saiten hingegen vertreten das Gegenteil und machen den Ton runder und wärmer. In den meisten Fällen wird jedoch auf medium/mittel Saiten zurückgegriffen, weil die beiden anderen Varianten das Modulieren des Tons anspruchsvoller machen. Von der Mitte aus sind die „Extreme“ eben leichter zu erreichen als von einem Extrem zum anderen.


Bekannte Marken


Die bekanntesten und meistverkauften Marken für Cellosaiten kommen zweifelsohne von Larsen Strings, Pirastro, Thomastik-Infeld und Jargar. Diese Hersteller bieten eine breite Palette and unterschiedlichen Saiten aus Stahl, Nylon und Darm. Es gibt aber auch Nischenhersteller, wie zum Beispiel Aquila, die sich auf die traditionelle Herstellung von Darmsaiten im historischen Stil spezialisiert haben oder Pirastro Obligato, die versuchen, so nah mit Nylon-Saiten so nahe wie möglich an den Klang von Darmsaiten heranzukommen.


Dankenswerterweise liefern die Hersteller Beschreibungen der Saiten, die zumindest einen Hinweis darauf geben, was vom Klang der Saiten generell zu erwarten ist und auch, für welche Zwecke sie geeignet sind. Saiten, die beispielsweise die Bezeichnung „Solist“ oder „Solo“ tragen eignen sich tendenziell für Fortgeschrittene oder Profis, die einen weit und lange tragenden Klang bevorzugen oder auf ihn angewiesen sind, um Konzertsäle klanglich gut auszuspielen.


Stahl oder Darm?


Die Frage mag sonderbar klingen - sind Darmsaiten nicht nur etwas für Barockcelli? Nicht wirklich, denn Saiten mit einem Stahlkern und einer Umwicklung aus Stahl oder anderen Metallen wie Wolfram oder Aluminium gibt es noch gar nicht so lange. Voraussetzung für das Aufkommen unserer „modernen“ Saiten war die Möglichkeit der Herstellung qualitativ hochwertiger Drähte, die sich auch für den Gebrauch auf Streichinstrumenten eignen. Einfache Stahlsaiten, wie man sie bspw. von der Westerngitarre her kennt, eignen sich nicht für Streichinstrumente. Insofern überrascht es nicht, dass bis ins 20. Jahrhundert hinein Darmsaiten (mit oder ohne Metallumwicklung) eher die Norm waren. Die Firma Thomastik-Infeld wurde 1919 gegründet, Jargar 1950 Jahren gegründet, Larsen sogar erst in den 1990. Alle drei Hersteller stehen an der Spitze der Herstellung moderner Saiten für Streichinstrumente, sie haben aber alle einen weiten weg der Produktentwicklung hinter sich.


Darmsaiten haben einen ganz eigenen Charme. Ihr Klang ist zurückhaltender als der von Stahlsaiten, die Projektion geringer. In 17. und 18. Jahrhundert mussten Musiker keine riesigen Konzertsäle bespielen, es gab keinen Bedarf für Saiten, die einen sehr lauten, weit tragenden Ton erzeugen. Die Entwicklung der Saiten, wie wir sie heute kennen, ist also nicht zuletzt eine Folge von immer grösser werdenden Konzertsälen, die mit einem breiten Zugang der Bevölkerung zu musikalischen Aufführungen zusammenhängt.

Darmsaiten werden aber immer noch hergestellt und erfreuen sich nach wie vor grosser Beliebtheit. Vor allem für Dir historische Aufführungspraxis sind sie beliebt, sie eignen sich aber durchaus auch für neuere Musik. Der Cellist Steven Isserlis schwört beispielsweise auf Darmsaiten, egal für welches Repertoire.


Erwähnen möchten wir auch noch Saiten mit einem Nylonkern. Sie lehnen sich im Klang an Darmsaiten an, versprechen aber die Vorzüge moderner Saiten. Darmsaiten reagieren, da sie aus organischem Material bestehen, empfindlich auf zu tiefe Luftfeuchtigkeit und plötzliche Temperaturwechsel - die Saiten verstimmen sich leicht oder reissen sogar. Deswegen haben Darmsaiten auch eine längere Einspielzeit, die Zeit, die es nach dem Aufziehen der Saiten braucht, bis sich eine Saite nicht mehr ständig während des Spielens verstimmt.

Unsere Empfehlungen


Das Basic Set-Up

In der Regel lohnt es sich, „von der Mitte aus“ zu schauen, in welche Richtung man den Klang seines Cellos optimieren möchte. Deshalb empfehlen wir den Einstieg mit einem kompletten Satz Larsen Original (medium) Saiten. Dieser Saitensatz ist bereits gut ausgewogen, sehr schnell eingespielt und die Saiten sprechen sehr gut an.

Als Alternative zu diesem Satz könnte Evah Pirazzi in Frage kommen. Diese Saiten von Pirastro waren vor dem Aufkommen von Larsen der bevorzugte Standard. Am Ende ist die Frage „Larsen Original oder Evah Pirazzi?“ fast schon eine Glaubens- mindestens aber eine Frage des Klang-Geschmacks. Nicht unerwähnt lassen möchten wir den "Standard-Satz" von Thomastik: Die Versum Saiten, die ebenfalls ein solides Produkt darstellen.


Saitenpaare optimieren

Stellt man von hier aus fest, dass einem die G und C Saiten zu wenig „griffig“ oder voll sind, lohnt es sich, diese auszutauschen durch Thomastik Spirocore G und C Saiten mit Wolfram-Ummantelung. Diese bieten einen wundervollen, kräftigen und satten Ton und sprechen besser an als viele andere G und C Saiten.


Möchte man zusätzlich noch bei den D und A Saiten einen helleren, kräftigeren Klang erreichen, empfiehlt es sich, dort auf die Larsen Soloist (medium) umzusteigen. Diese Saiten bieten einen weiterhin runden, ausgeglichenen Klang.

Den Mix aus Larsen Solist auf den oberen und Thomastik Spirocore auf den unteren Saiten bieten wir als Satz an, quasi prêt-à-porter: der züricello Klassik-Mix.


D und G Saiten können schwierig sein, wenn es darum geht, sie mit den A- und C-Saiten anzugleichen und auch hier eine sehr gute Projektion zu erreichen. Um dieses Thema anzugehen, bieten wir einen Mix aus A Larsen Soloist, D und G Larsen Margnacore, und C Thomastik Spirocore Wolfram (alle medium) an. Der züricello-Mix, garantiert ein brilliantes Erlebnis.



Wie ist Ihr Niveau?


Auch das Spielerniveau hat einen Einfluss darauf, welche Saiten passen: die Ansprache (d.h. wie leicht oder schwierig es ist, mit dem Bogen einen stabilen Ton zu erzeugen) schwankt stark zwischen den Saiten. Für Anfänger können wir fast uneingeschränkt den Jargar Classic (medium/blau) Satz empfehlen. Für den gemässigten Preis sind diese Saiten überraschend gut! Sie erzeugen einen stabilen, eher warmen Ton, die Ansprache ist hervorragend.

Für kleinere Celli eignet sich die Variante Young Talent von Jargar.


Für Profis und Laien, die weit fortgeschritten sind, empfehlen wir die Larsen Magnacore Saiten ebenso wie Pirastro Perpetual Soloist oder auch Evah Pirazzi Gold - und das nicht nur für konzertante Zwecke. Hier muss wirklich ausprobiert werden, welche Saiten am besten zum Cello passen und mit welchen Saiten man selbst die besten Ergebnisse erzielen kann, was die Modellierung des angestrebten Klangs angeht.


Darmsaiten


Eine „sichere Bank“, auch für moderne Instrumente, ist der Oliv Satz von Pirastro. Diese Saiten sind alle umwickelt (A und D mit Aluminum, G und C mit Silber), was die Saiten widerstandsfähiger und langlebiger macht. Pirastro Oliv spielen sich relativ schnell ein. Es empfiehlt sich, nach dem Aufziehen mehrmals am Tag nachzustimmend und oft zu spielen - dann sind die Saiten nach ein paar Tagen bis einer Woche stabil.



Für historische Instrumente und Profis ist ein Mix aus Pirastro Eudoxa (A oder A und D) und Pirastro Oliv (G und C) empfehlenswert. Die Einspielzeit ist bei den blanken Eudoxa-Saiten länger. Ebenfalls sind blanke Darmsaiten empfindlicher, was Schwankungen der Raumtemperatur und der Luftfeuchtigkeit angeht. Grössere Schwankungen oder zu trockene Luft machen die Saiten brüchig und können sie reissen lassen. Es empfiehlt sich also, auf eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit im Raum zu achten (mind. 40%).


Profis im Bereich der historischen Aufführungspraxis legen wir auch Saiten von Aquila ans Herz - näher kommt man an den historischen Klang wohl nicht heran als mit diesen handgemachten Darmsaiten aus Italien. Aquila fertigt Saiten aus Schafs- und Rindsdarm.




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