• Joachim Flickinger

Im Erwachsenenalter noch Cello lernen?


Das ist eine Frage, die in letzter Zeit häufiger gestellt wird. Vielleicht auch, weil viele Menschen während der Corona-Pandemie neue Hobbies suchen. Über drei Viertel der Mietanfragen, die wir 2020 bekommen haben, kamen von Erwachsenen.


Die kurze Antwort auf die Frage ist ganz einfach: aber natürlich!


Sicher, wer im Erwachsenenalter anfängt, ein Instrument zu lernen, wird höchstwahrscheinlich keine Karriere als MusikerIn mehr machen. Darum geht es aber den Menschen auch nicht, die längst dem Kindesalter entwachsen sind. Es kann ein lang gehegter Wunsch sein oder ein neu entbranntes Interesse, Cello zu lernen. Damit ist die beste Voraussetzung auch schon erfüllt: einen gewissen Enthusiasmus, eine gewisse Leidenschaft und Neugierde sollte man schon haben.


Es fällt etwas leichter, mit dem Cello spielen zu beginnen, wenn man vorher schon andere Instrumente gelernt hat: Man kann dann schon Noten lesen, kennt verschiedene Rhythmen und hat vielleicht schon Erfahrung auf einem anderen Saiteninstrument wie beispielsweise der Gitarre, die sich in Teilen auch auf das Cello übertragen lässt. Aber auch ohne Vorkenntnisse steht einem Beginn als Erwachsener nichts im Wege.


Es wird viel darüber diskutiert, ob man als Erwachsener langsamer lernt als Kinder. Motorisch und kognitiv gesehen haben Kinder einen Vorteil, weil ihre Synapsen sich rasant schnell ausbilden, ebenso wie ihre Koordination und Feinmotorik. Bei Erwachsenen ist dies alles schon relativ in Stein gemeisselt oder "eingerostet". Unmöglich macht eine abgeschlossene physische Entwicklung das Lernen neuer Dinge aber bei weitem nicht - es braucht manchmal vielleicht einfach mehr Wiederholung und Übung.


Auf der anderen Seite haben Erwachsene im Lernprozess Kindern gegenüber auch Vorteile. Sie sind besser in der Lage, abstrakte Zusammenhänge zu erkennen und beispielsweise Anweisungen von Lehrpersonen besser umzusetzen, während Kinder viel experimenteller vorgehen. Schlussendlich spielen Motivation und Interesse die wichtigste Rolle; so können überraschend schnelle Fortschritte gemacht werden.


Hilfreich und wichtig ist sicher, mit einer Lehrperson zu arbeiten. Es können klare Lernziele abgesteckt werden und von Anfang an sicher gestellt werden, dass sich keine Fehler oder sogar ernsthafte Haltungsschäden einschleichen. Ebenfalls kennen Lehrpersonen viele Tricks bei Erlernen der Technik, aber auch die Motivation betreffend, so dass nicht aus anfänglichem Enthusiasmus schnell quälender Frust entsteht.


Wer sich dazu entscheidet, im Erwachsenenalter Cello zu lernen, muss (wie auch Kinder) bereit sein, Zeit in dieses neue Hobby zu investieren. Regelmässiges üben ist das A und O, um vorwärts zu kommen und besser zu werden. Dabei geht es nicht darum, jeden Tag drei Stunden zu üben. Vielmehr ist die Regelmässigkeit an sich wichtig. Lieber an einem geschäftigen Tag nur 10 Minuten spielen als gar nicht.


Sich Ziele zu setzen hilft, die Motivation aufrecht zu halten. Was ist realistisch, innerhalb eines Jahres zu lernen, was möchte man erreichen? Welches Stück wollte man schon immer auf dem Cello spielen können? Ist es vielleicht das Ziel, mit anderen gemeinsam in einem Laien-Ensemble zu musizieren?


Suchen Sie sich eine Lehrperson, die Sie unterstützt und begleitet. Sprechen Sie über Ihre Wünsche und Ziele, damit der Unterricht so aufgebaut und geplant werden kann, dass Sie möglichst schnell die ersten Erfolge verbuchen können. Die allermeisten Lehrpersonen unterrichten Erwachsene Anfänger, es dürfte also nicht zu schwer sein, eine Lehrerin oder einen Lehrer zu finden.

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