Ein Cello kaufen: Unser kleiner Ratgeber


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Ein Cello zu kaufen ist keine allzu einfache Angelegenheit: Auf dem Markt findet sich eine sehr grosse Auswahl an Instrumenten von vielen verschiedenen Herstellern unterschiedlichster Herkunft, eine Anzahl verschiedener Modelle und Ausführungen. Nicht zuletzt ist ein Cello keine kleine finanzielle Investition, die gut überlegt sein will. Für ein Mittelklasse-Cello zahlt man gern zwischen CHF 8’000 und CHF 20’000. Instrumente für professionelle Cellisten fangen dort erst an und gehen bis in den sechsstelligen Bereich.


Wir möchten Ihnen hier ein paar Punkte an die Hand geben, die vor dem Kauf eines Cellos berücksichtigt werden sollten.



Kaufen oder mieten?

Die erste Frage ist wohl, ob man überhaupt ein Cello kaufen möchte. Gerade für Kinder oder Jugendliche, deren körperliches Wachstum noch nicht abgeschlossen ist, lohnt es sich kaum, in den Kauf eines Cellos zu investieren. Gerade kleinere Kinder wachsen so schnell, dass sie alle 1-2 Jahre ein neues Instrument brauchen.

Auch Erwachsene, die neu mit dem Cello spielen beginnen, oder nach jahrelanger Abstinenz wieder zu diesem Instrument finden, sind zunächst gut beraten mit der Miete eines Cellos. Wenn klar ist, ob der anfängliche Enthusiasmus entfacht bleibt, lohnt es sich, ob den Kauf eines Cellos nachzudenken.


Mietinstrumente gibt es, genau wie Instrumente zum Kauf, in den unterschiedlichsten Qualitäten und Preisklassen. Es handelt sich also keineswegs nur um günstige Modelle geringerer Qualität.

Die meisten Anbieter, die Celli vermieten, bieten an, das Cello nach einigen Monaten Miete bei Gefallen zu kaufen und bereits bezahlte Mieten auf den Kaufpreis anzurechnen.


Erfahren Sie mehr über die Miete eines Cellos bei züricello.


Das Cello: ein handwerkliches Produkt

Man sollte nicht vergessen, dass ein Cello - wie jedes Musikinstrument - ein Produkt ist, dessen Qualität von verschiedenen Faktoren abhängt. Vor allem geht es um die Qualität des verarbeiteten Materials und das handwerkliche Können sowie die Erfahrung des Geigenbauers.


Die Qualität von Tonholz (so wird Holz zum Bau von Musikinstrumenten genannt) steigt mit den Jahren, die das Holz gelagert wurde und Zeit zum Durchtrocknen hatte. Das für den Bau guter Celli verwendete Holz darf gerne mindestens um die 10 Jahre gelagert haben, bevor es verbaut wird. Ebenfalls wichtig ist, dass Holz verwendet wird, das langsam und gleichmässig gewachsen ist. Vor allem bei dem für die Decke des Cellos verwendeten Fichtenholz ist dies wichtig: eng beieinander stehende Jahresringe, die so gerade wie möglich verlaufen, haben die besten Eigenschaften, wenn es um die Schallleitung geht.

Vor diesem Hintergrund wird schnell klar, dass billige Instrumente, die aus Sperrholz gebaut sind, schlecht abschneiden, wenn es um die Frage der Qualität geht.


Um die 200 Stunden dauert die Herstellung eines Cellos von Hand in der Regel. Die Qualität eines Instruments aus der Fabrik, bei dem nur wenige Schritte in Handarbeit entstehen, kann mit der Handarbeit nicht mithalten.

GeigenbauerInnen lernen jeden Schritt der Herstellung eines Cellos über Jahre, arbeiten in der Regel in verschiedenen Werkstätten, um ihr Handwerk zu perfektionieren. Sie sehen und reparieren Instrumente aus vielen Epochen und gewinnen so einen Einblick in die Technik längst verstorbener Meister. Hier wird Wert auf das Detail gelegt, die persönliche Note fliesst ein, oft auch die Wünsche des Auftraggebers, des Kunden.


Grosse Namen, kleine Namen, keine Namen

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Stradivari, Montagnana, Guarnieri und andere klingende Namen von Geigenbaumeistern aus dem 17. Jahrhundert sind nur allzu bekannt. Nicht zuletzt, weil Celli noch heute nach ihren Vorlagen gebaut werden. Auch heute noch gibt es GeigenbauerInnen, die mit ihren Arbeiten internationalen Ruf erlangen, Preise auf Wettbewerben gewinnen und deren Instrumente hohe Preise im Verkauf erzielen.

Doch längst nicht jede Geigenbauerin bringt es zur Berühmtheit. Das will nichts heissen. Die Vielfalt an Menschen in diesem Handwerk macht die Auswahl ihrer Instrumente interessant. Natürlich können Sie sich beim Kauf eines Cellos vom guten Ruf von Geigenbauern orientieren, sie müssen aber nicht um die halbe Welt reisen, um gutes Handwerk zu finden. Besuchen Sie die GeigenbauerInnen ihrer Region und überzeugen Sie sich von deren Arbeiten.


Vorsicht ist geboten bei vielversprechenden „Zetteln“. In den meisten Instrumenten sind kleine Papierzettel eingelebt oder Brandstempel so angebracht, dass sie durch eines der F-Löcher sichtbar sind. Auf diesen Zetteln ist der Name der GeigenbauerIn vermerkt sowie das Jahr der Herstellung und manchmal noch das Modell. Doch ohne ein Zertifikat oder eine Expertise (Gutachten) sollte man diesen Zetteln, vor allem bei älteren Instrumenten, nicht unbedingt uneingeschränkt trauen. Es gibt zahllose Beispiele von Instrumenten, denen im 19. Jahrhundert bei der Reparatur durch einen besser bekannten Geigenbauer dessen Stempel aufgedrückt wurde, was über die Herkunft jedoch nichts aussagt und auch den Wert des Instruments nicht steigert.


Übrigens: Die Herkunft eines Cellos sagt heute kaum mehr etwas über die Qualität aus. Zwar sind die berühmtesten Geigenbauer heute noch oft in Cremona (Italien) oder Mittenwald (Deutschland) angesiedelt, längst finden sich aber rund um den Globus sehr begabte GeigenbauerInnen. Reghin (Rumänien) beispielsweise ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts ein kleines Geigenbauzentrum. Von dort kommen ausgezeichnete Instrumente; nicht zuletzt, weil ganz in der Nähe, in den Karpaten, seit Jahrhunderten erstklassiges Tonholz geschlagen wird, das immer noch in der ganzen Welt verbaut wird. Auch aus China kommen inzwischen gute günstigere Instrumente. Instrumentenbauer aus der Region haben in den letzten Jahrzehnten viel von europäischen GeigenbauerInnen gelernt. Und, seien wir ehrlich: so manches Instrument europäischer Manufakturen mit wohlklingenden Namen, hinter dem sich kein Meister verbirgt, sondern nur eine Marke, wurde in China vorgefertigt und in Europa oder den USA fertig eingerichtet.


Altes oder neues Cello?


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Die Frage, ob man sich ein neues Cello, ein gebrauchtes oder gar (sehr) altes Instrument kaufen sollte, ist schwer zu beantworten. Am Ende entscheidet der Klang des Instruments, ob es uns gefällt oder nicht. Manche Cellisten bevorzugen einen runden, warmen Ton, andere erwarten von ihrem Instrument eine hervorragende Projektion (Tragweite des Klangs), wieder andere mögen einen eher zurückhaltenden Ton. Davon ausgehend kann man keine Empfehlung für ein neues oder altes Instrument aussprechen.


Gebrauchte Instrumente haben sicher den Vorteil, dass auch sehr gute Instrumente oft zu einem vernünftigen Preis erstanden werden können. Wenn gebrauchte Instrumente vor dem Verkauf regelmässig gespielt wurden, kann man tendenziell auch davon ausgehen, dass der Klang dieser Instrumente besser entwickelt ist als bei Neubauten. Diese brauchen oft Monate, bis sie ihr Potenzial (Klang und Ansprache) voll entwickelt haben. Der voll entwickelten Eigenschaften können dann durchaus von dem abweichen, was man sich zu Beginn erwartet oder beim ersten Spielen wahrgenommen hat. Es ist erstaunlich, wie schnell und massiv sich Ansprache und Klangkörper in der Einspielzeit der ersten Wochen entwickeln.


Wer auf den Umweltschutz achtet, dürfte sich ebenfalls leicht mir der Idee anfreunden können, ein gebrauchtes Cello zu kaufen - schliesslich mussten dafür keine neuen Bäume gefällt werden.


Wer ein Faible für historische Instrumente hat, wird eine beachtliche Anzahl an Instrumenten aus dem 18. und 19. Jahrhundert finden, die durchaus erschwinglich sind. Entweder, weil der Erbauer unbekannt ist oder keinen grossen Namen vorzuweisen hat oder, weil die Instrumente über die Jahre oder weniger aufwendige Reparaturen über sich ergehen lassen mussten, was den Wert im Vergleich zu einem nahezu unversehrten historischen Instrument wesentlich schmälert. Viele Geigenbauer haben alte Instrumente im Angebot, die sie restauriert haben und für die sie somit einen sehr guten Zustand garantieren können.


Was nichts kostet, taugt nichts?

Die Frage, wie viel Geld man für ein gutes Cello in die Hand nehmen muss, ist ebenfalls nicht leicht zu beantworten. Man bekommt gute Schülerinstrumente für CHF 4’000-6’000. Bei um die CHF 8’000 geht es mit guten Instrumenten für Hobby-Cellisten los. In der Regel bekommt man ab CHF 15’000-30’000 Instrumente, die für Studierende in der Regel gut genug sein dürften. Alles darüber geht dann in verschiedenen Qualitäten in den Profibereich. Wie gesagt, kommt es stark darauf an, ob es sich um ein neues, gebrauchtes oder altes Instrument handelt.




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Man nicht oft genug sagen: was ausser der Qualität der Werkstoffe und dem handwerklichen Standard ins Gewicht fällt, ist das individuelle Klangempfinden, der eigene Geschmack. Was hier gut oder nicht so gut ist, kann einem niemand sagen, ausser man selbst. Deswegen führt der Weg zum eigenen Cello ausschliesslich über einen Weg: probieren, probieren, probieren.

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